Die großen Online-Plattformen werden nicht nur vom Durchschnittsnutzer zum Austausch von Informationen und Medien genutzt, sondern sind zunehmend auch bei Terroristen beliebt – das ist seit langer Zeit bekannt, lĂ€sst sich aber mit bisherigen Mitteln schwer unter Kontrolle bringen. Jetzt hat Googles Chefjurist einen 4-Punkte-Plan prĂ€sentiert, wie sein Arbeitgeber diesem Problem begegnen und die Terrorristen von den eigenen Plattformen vertreiben möchte.

Erst vor wenigen Tagen hatte Facebook angekĂŒndigt, aktiver gegen den Terrorismus im Netzwerk vorzugehen und verdĂ€chtige Inhalte sofort zu ĂŒberprĂŒfen und gegebenenfalls zu sperren. Das wird von der Politik, gerade in Europa, seit langer Zeit gefordert und ist zunehmend ein Streitthema. In einer ersten Reaktion hat nun auch Google einen Plan veröffentlicht, der aus vier Punkten besteht und solche Inhalte vor allem auf der hauseigenen Videoplattform YouTube einschrĂ€nken soll.

Googles Chefjurist Kent Walker hat sich am Sonntag zu Wort gemeldet, und hat verkĂŒndet, dass auch Google nun aktiver als bisher gegen den Terrorismus vorgehen wird. Dazu hat er einen Vier-Punkte-Plan angekĂŒndigt, der sich vor allem auf die Videoplattform YouTube bezieht.

  • KĂŒnstliche Intelligenz: In Zukunft sollen verstĂ€rkt KĂŒnstliche Intelligenzen auf die Suche nach solchen Videos gehen und somit die Entdeckung beschleunigen. Mehr als die HĂ€lfte aller gelöschten Videos in den vergangenen Monaten sind schon jetzt durch die KIs gefunden worden. Es sei aber schwierig, echte Terror-Botschaften und -Propaganda von Nachrichtenmaterial zu unterscheiden.
  • Freiwillige Helfer: Da die KĂŒnstlichen Intelligenzen das Problem alleine noch nicht stemmen können, soll es in Zukunft mehr Personal in Form von „Trusted Flaggern“ geben. Diese Organisationen sollen freiwillig dabei helfen, Material aufzuspĂŒren. Bisher gibt es 63 aktive Organisationen, 50 weitere sollen hinzukommen.
  • Warnhinweise: Ist ein Video strittig, soll es eine Zwischenlösung vor der Löschung geben: Es sollen Warnhinweise vor solche Videos geschaltet werden können, die Kommentar-Funktion wird deaktiviert und es wird auch die Werbung deaktiviert, mit denen sich solche KanĂ€le zusĂ€tzlich finanzieren. Dadurch sollen diese Videos automatisch unattraktiver werden.
  • Kampagnen: Wer hĂ€ufig nach Terror-Inhalten sucht, soll in Zukunft gezielt zu Anti-Terror-Videos weitergeleitet werden. Etwas Ă€hnliches wurde schon im vergangenen Jahr fĂŒr die Websuche angekĂŒndigt.

Auch Walker weiß natĂŒrlich, dass sich das Problem wohl niemals vollstĂ€ndig in den Griff bekommen lassen wird, aber dennoch muss natĂŒrlich schnellstens gehandelt werden.

Die unbequeme Wahrheit ist, dass wir als Industrie eingestehen mĂŒssen, dass noch mehr getan werden muss. Jetzt.

Terroristen nutzen die Medien natĂŒrlich nicht zum Spaß (zumindest nicht hauptsĂ€chlich), sondern sehen die großen Social Media-Portale vor allem als Rekrutierungsplattformen an, und stellen dort entsprechendes Material und Inhalte ein, um weitere AnhĂ€nger zu gewinnen. Das kann gerade bei Jugendlichen sehr schnell sehr gefĂ€hrlich werden, da natĂŒrlich anfangs alles harmlos wirkt und so nach und nach die digitale GehirnwĂ€sche beginnt.

Komplett ausschalten wird man diese Kommunikationswege vermutlich nie, aber immerhin wollen sich Google und Facebook nicht vorwerfen lassen, nichts dagegen zu unternehmen. Die Kommunikation der Terroristen untereinander wird auch in Zukunft weitergehen können, aber das Rekrutieren von jungen Menschen wird so deutlich erschwert. Denn da die Nutzer auf den großen Plattformen der beiden Unternehmen zu finden sind, können die Terroristen nicht so einfach auf das nĂ€chste Portal weiterziehen.