Wer mit AdWords-Anzeigen nicht nur deutschsprachige Kunden ansprechen möchte, musste die Übersetzung von Anzeige-Titel und -Text bisher selbst übernehmen bzw. in Auftrag geben. Nun hat Google das kostenfreie Online-Übersetzungs-Tool Google Translator Toolkit dahingehend verändert, dass jetzt auch AdWords-Anzeigen damit übersetzt werden können. Alles, was AdWords-Kunden dazu brauchen, ist eine AEA-Datei. Diese wird ohne viel Aufwand beim Export von Kampagnen und Anzeigen über den AdWords-Editor erstellt.

Doch sind automatische Übersetzungen überhaupt gut genug, um deutsche Texte fehlerfrei ins Englische übertragen zu können? — Ich habe es selbst getestet, um mir ein eigenes Bild von der Fähigkeit der Übersetzungs-Maschine machen zu können. Für mich standen vor allem die folgenden Fragen im Vordergrund:

  1. Sieht man automatisch übersetzten Anzeigen ihre Herkunft an?
  2. Wie geht das System mit deutschen Sonderzeichen (Umlauten) um?
  3. Kann man die Ergebnisse ohne Überprüfung für AdWords-Anzeigen verwenden?

Insgesamt habe ich fünf AdWords-Anzeigen getestet. Eine der von mir erstellten Anzeigen hatte gleich zwei Fallstricke: Umlaute in allen Textteilen und mit „versandkostenfreie Lieferung“ eine Text-Kombination, die nicht wörtlich in die englische Sprache übertragbar ist. Hier muss das Übersetzungs-System den Zusammenhang verstehen:

adwords-translate-1

Das Ergebnis war ernüchternd, wenn auch erst auf den zweiten Blick:

adwords-translate-2

Das Google Translator Toolkit hat nicht erkannt, dass es sich bei Münster um eine Stadt handelt, die natürlich auch im Englischen Münster heißt — und nicht „Munster“. Außerdem wurde aus der versandkostenfreie Lieferung eine „Free shipping delivery“; das Übersetzungssystem hat den Textteil wörtlich übernommen, ohne den Zusammenhang zu verstehen. „Free shipping“ wäre die korrekte Übersetzung gewesen.

Sieht man automatisch übersetzten Anzeigen ihre Herkunft an?
Diese Frage ist leider klar mit JA zu beantworten. Auch den weiteren von mir getesteten Anzeigen sah man ihre Herkunft aus dem Übersetzungs-Automaten zum Teil deutlich an. Hier wird klar, dass automatische Übersetzungen auch im Jahr 2009 noch lange nicht die Qualität professioneller Übersetzer erreicht haben.

Wie geht das System mit deutschen Sonderzeichen (Umlauten) um?
Von dem „Münster –> Munster“-Fehler abgesehen, versteht das Google Translator Toolkit deutsche Umlaute sehr gut und übersetzt sie entsprechend. Auch bei einer „Rückübersetzung“, bei der das englische Ergebnis zurück ins Deutsche übertragen wird, konnte ich keine Fehler feststellen.

Kann man die Ergebnisse ohne Überprüfung für AdWords-Anzeigen verwenden?
Hier ein klares NEIN, was leider den Sinn des Google Translator Toolkit für AdWords-Anzeigen in Frage stellt. Die Arbeits- und Zeitersparnis der automatischen Übersetzung ist zwar auf den ersten Blick gegeben, wird aber schnell relativiert, wenn man feststellt, dass nur 70-80% der Anzeigen korrekt übersetzt werden. Dem englischen Muttersprachler, der zur Zielgruppe der übersetzten AdWords-Anzeige gehört, fällt schnell auf, dass hier kein Mensch, sondern eine Maschine am Werk war.

Fazit: AdWords-Kunden sollten die Kombination aus AdWords-Editor und Google Translator Toolkit zurzeit nur dann nutzen, wenn anschließend eine genaue Kontrolle der übersetzen Anzeigen gemacht werden kann. Auf den ersten Blick sehen viele Übersetzungen inhaltlich richtig aus, doch leider sind sie — wie im obigen Beispiel erläutert — nicht immer zu 100% korrekt übersetzt worden. Um der eigenen Reputation keinen Schaden zuzufügen, ist eine grammatische Überprüfung der Anzeigen durch Muttersprachler nachwievor nötig.